Über das Projekt

Personal -Befragung /  Innere Sicherheit

40 Portraits von ausgewählten Personen, Bereich „Innere Sicherheit“, Bundesrepublik Deutschland.

Zwischen 2001 und 2006 wurden neun Menschen mit immer der gleichen Waffe ermordet. Im Jahr 2007 wurde ein Mordanschlag auf zwei weitere ausgeführt, bei dem eine Polizistin starb. Drei Bombenanschläge, davon ein Nagelbomben-Attentat und mehr als ein Dutzend bewaffneter Überfälle gingen auf das gleiche Konto. Den Sicherheitsbehörden gelang es bis 2011 nicht die Tathintergründe aufzuklären.

Die Umstände im Zusammenhang mit dem NSU-Komplex eröffnen die Chance, in den sonst abgeschirmten Bereich der Inneren Sicherheit Einblick zu nehmen. Durch die parlamentarische und juristische Aufarbeitung werden die einzelnen Protagonisten zu Personen des öffentlichen Interesses.

Die Strukturen der „Sicherheits-Architektur“ werden politisch entschieden. Die Umsetzung dieser Strukturen findet aber im „Normalbetrieb“ in den Ämtern und Dienstellen statt. Dort wird gewirkt und gestaltet.
Es sind die Staatsanwälte, Staatssekretäre, Ministerialräte, Polizei-Kommissare, Mitarbeiter und Präsidenten der Verfassungsschutzämter, die im Einzelfall für die Innere Sicherheit dieses Landes verantwortlich sind.

Die für die Personalbefragungen ausgewählten Personen waren unmittelbar mit dem NSU-Komplex befasst. Manche stehen stellvertretend für staatliches Versagen, andere für erlittene Behinderung bei ihrer Ermittlungsarbeit. Die meisten von ihnen wurden als Zeugen in einem der parlamentarischen Untersuchungsausschüsse geladen. Durch das Malen ihrer Porträts versuche ich, mehr über sie zu erfahren. Als Vorlage dienen mir dabei Video-Aufzeichnungen und manchmal auch reale Begegnungen.

Malerisches Vorgehen

Die Unterschiede in der malerischen Behandlung der jeweiligen Portraits ergeben sich aus dem malerischen Vorgehen. Der Malprozess wird beendet, sobald eine Haltung identifiziert ist. Manche Bilder sind daher nur schemenhaft, andere nähern sich einer fotografischen Ähnlichkeit. Dadurch sind es im eigentlichen Sinne keine individuellen Portraits. Sie erschließen sich erst im Zusammenhang mit der gesamten Serie.

Das Erforschen der Gesichter erfordert ein beständiges Zurückweisen eigener Vorstellungen. Nur so lässt sich ein Ergebnis erzielen, das mehr ist als bereits Gedachtes oder Gesagtes, das im besten Fall erhellt und vielleicht überrascht. Als Technik wurde das Aquarell gewählt, weil es eine hohe Konzentration und sorgfältige Vorbereitung mit Schnelligkeit und Spontaneität verbindet. Das macht den Weg frei für die „zufällige Entdeckung von wichtigen, nicht gesuchten Erkenntnissen durch einen theoretisch vorbereiteten Geist.“ ¹

Stellvertreter

Die ausgewählten Personen sind als Stellvertreter zu sehen. Sie stehen für den Sicherheitsapparat, wie er sich im im NSU-Zusammenhang darstellt. Persönliche Merkmale sind dabei nebensächlich. Beabsichtigt ist nur das Sichtbarmachen der dienstlichen Haltungen.

 

¹Robert K. Merton und Elinor Barber: The Travels and Adventures of Serendipity: A Study in Sociological Semantics and the Sociology of Science. Princeton University Press, Princeton 2004 


40 Arbeiten, Aquarell auf Bütten, ca. 52 x 37 cm, 2012 – 2018